Die Kriege zur
Eroberung / Befreiung Germaniens
In 3 Kriegen Über 25 Jahren schufen die Römer
die Grundlage für ihre Herrschaft in Germanien, die dann im 4. Krieg wieder
zerstört wurde. Die Spuren dieser Kämpfe und des Aufbaus dazwischen finden sich
überall zwischen Rhein und Elbe und vor allem in Hessen, Niedersachsen und
Westfalen. Ein Abriss:
Der
lollianische Krieg, 6 v. Chr.:
Rebellierende Gallier rufen die germanischen
Sugambrer am Rhein zur Hilfe, die die V. römische Legion unter Lollius
überfallen und zerstören.
Der Eroberungskrieg 12-9 v. Chr.
Drusus, Stiefsohn des Kaisers Augustus, fällt
in Germanien und unterwirft alle Stämme bis zur Elbe, stirbt aber gleich
danach.
Der grosse Aufstand 1-6 n. Chr
Ein Streit unter den Cheruskern bildet den
Auftakt zum gro§en Aufstand. Drusus Bruder, der spätere Kaiser Tiberius,
kommt zurück, unterwirft das Land noch einmal und baut an der Lippe gro§e
Stützpunkte als Zentren römischer Macht, in Hessen gründet er eine Stadt. Die
prorömische Fraktion der Cherusker wird wiedereingesetzt, ein Spro§ aus dessen
Fürstengeschlecht, Arminius, wird (spätestens ab jetzt, vielleicht aber schon
seit 9/8 v. Chr.) bei den Römern ausgebildet
7-9 n. Chr.
Auf dem Balkan bekämpft Tiberius einen
gefährlichen Aufstand der Pannonier, in Germanien soll Quintilius Varus eine
Provinz einrichten. Die Kriegssteuer bedeuten bittere Not für die Germanen, die
anstehende Provinzialisierung droht ihnen, die eigene Gerichtsbarkeit und das
Waffenrecht zu nehmen. Das Benehmen der Ršmer nach typischer Kolonialisten-Art
tut ein übriges: Germanien ist reif für den Aufstand. Arminius, inzwischen
römischer Ritter, ist wieder im Lande, berät Varus, hat aber heimlich die
Seiten gewechselt. Mit der befehdeten Stammesfraktion hat er sich versöhnt und
andere Stämme mit an Bord geholt. Jetzt schmiedet er Pläne.
Der Befreiungskrieg
9 n. Chr.
Varusschlacht; der Befreiungskrieg beginnt
erst mal erfolgreich.
10-13
Die Römer wagen sich unter Tiberius nur
zaghaft über den Rhein, bauen ein Brückenkopf im Ruhrgebiet aus sichern die
Niederlande und gründen eine Flottenbasis an der Emsmündung, denn die
Küstenstämme sind noch prorömisch.
14
Augustus stirbt endlich, Tiberius wird Kaiser,
Drusus Sohn Germanicus Befehlshaber am Rhein und er greift an. Die Marser im
Sauerland werden überrascht und abgeschlachtet.
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Am Ende eines Frühjahrsfeldzuges, indem er
gegen Arminius Guerillastrategie wenig erreicht, gelingt es Germanicus,
Arminius schwangere Frau Thusnelda gefangenzunehmen. Dann greift er von Norden
an, auf dem Seeweg über die Ems, und macht einen Abstecher nach Kalkriese, um
die Knochen der Varus-Soldaten zu bestatten. Verrichteter Dinge setzt er
Arminius Streitmacht nach, wird aber in eine Falle gelockt und schwer
angeschlagen. Auf dem Rückzug gerät seine Truppe in eine Sturmflut auf der
Nordsee, noch schlimmer trifft es die Kameraden, die über Bohlenwege versuchen,
direkt nach Xanten zurückzugelangen. Nur knapp entgehen sie westlich von
Münster eine Niederlage der Varus-Klasse, weil Arminius, der an seine
Zermürbungstaktik festhalten will, die Abstimmung in der Heeresversammlung
verliert: Das basisdemokratisch verfasste Heer beschlie§t einen Frontalangriff,
der schief geht. Ein römischer Sieg ist es trotzdem nicht - lediglich die
vermiedene Totalvernichtung.
16
Germanicus versucht jetzt was anderes: Er will
durch die Porta Westfalica angreifen und die Brukterer und Cherusker gegen die
im Ruhrgebiet aufgestellten Lager drängen, sie wie mit einem Hammer auf den
Ambo§ restlos zerschlagen. Nur so, meint er, könne man dieses Land noch
bezwingen.
Dreimal Kämpfen Germanicus' und Arminius' Heere an der Weser, jedes Mal
vermeldet der Römer einen gro§en Sieg, aber seine Taten erzählen etwas anderes:
Denn nachdem er angeblich die Germanen zu vielen Tausenden abgeschlachtet hat,
versucht er nicht einmal, ins Cheruskerland einzudringen, sonder macht, mitten
im Hochsommer, der besten Zeit für einen Feldzug, einfach Schluss! Und wieder,
wie im Vorjahr zerschlägt ein Sturm in der Nordsee seine Schiffe und zerstreut
den Rest seiner Armee. Er ist gescheitert, der Kaiser Tiberius ist nicht mehr
gewillt, die alljährlich programmierte Katastrophenserie weiterzuführen. Er
beendet den Krieg und beruft Germanicus ab.
Nachspiel, 17-21
In Germanien entsteht nach einer gro§en
Schlacht an der Elbe ein Patt zwischen Arminius und dem Römerfreund Marbod. Das
Drama ist zu Ende, auch die Helden leben nicht mehr lange: Germanicus wird nach
Syrien versetzt und 2 Jahre später von Rivalen vergiftet. Marbod wird von den
Goten vertrieben und stirbt im römischen Exil. Im Jahre 21 wird auch Arminius
von Widersachern ermordet, die ihm verdächtigen, königliche Ambitionen zu
hegen. Er hinterlässt ein Land, wo sich die Gro§stämme zwar bekriegen, sich aber
auch langsam konsolidieren. Die starken Völkerschaften, die sich neben dem
Römischen Reich, doch frei von ihm, bilden sind nicht mehr die belächelten
Kleinstämme von einst. Sie sind gefährlich.
Die weiteren Kriege
Kluge Kaiser Claudius etwa - lassen die
Germanen nun in Ruhe, dumme, wie Gajus (Caligula), oder Nero, bekriegen sie.
Sie schaffen es lediglich, die bislang treuen Küstenstþmme zu vergrätzen, beim
Tod des Nero kommt es zum gro§en Bataveraufstand. Danach erobert Kaiser
Domitian Südhessen und gliedert has heutige Baden-Württemberg friedlich ein, es
entsteht der berühmte Limes, wo meist Frieden herrscht (einer der wenigen
Kriege, der des Mark Aurel gegen die Markomannen, liefert den Auftakt zum Film
'Gladiator'). Die Germanen nehmen nun frei und friedlich auf, was sie von
römischer Zivilisation wollen - und das ist einiges. Erst im 3. Jrht. greifen
sie den Limes an und drängen die Römer zurück an Rhein und Donau.
Das Ende
Knapp 400 Jahre nach der Varusschlacht
zerbröckelt auch die Rheingrenze unter dem Druck der grö§tenteils germanischen
Völkerwanderung. Westrom zerfällt, germanische Stammesreiche, die Urformen der
modernen europäischen Staaten, treten an seine Stelle. Bei einem anderen
Ausgang der Schlacht zur Zeitenwende wäre das alles nicht passiert. Was
passiert wäre, werden wir nie wissen.