2000 Jahre Römer in Germanien
   

 

 

Wie verlief die Schlacht? Die Konturen werden deutlich

Diese Beschreibung der Schlacht im Teutoburger Wald geht von einem breiten, aber natürlich nicht vollständigen Konsens aus, der die Grundlage für fast alle Varianten der "Kalkriese-Theorie" der Varusschlacht bildet. Der lautet: Es ging um ein mehrtägiges Kampfgeschehen, wobei die Römer von einem Ort an oder westlich der mittleren Weser aus Richtung Westen bzw. Nordwesten zogen und von germanischen Verbänden überfallen wurden. Sie kämpften sich dann über mehrere Tage bis zur heutigen Fundstelle am Kalkrieser Berg durch, wo am letzten Tag ein wichtiges Gefecht stattfand. Möglicherweise handelt es sich hierbei um den Ort, den alle Chronisten als Endpunkt der Schlacht beschreiben, wenn nicht, so liegt dieser Ort nicht viel weiter westlich davon entfernt. In der kurzen Hauptdarstellung sind zu vertiefende Punkte anklickbar, es erscheint dann eine weitere Erklärung der Grundlage für die entsprechende Darstellung, bei wichtigen Dissensen auch das Für und Wider der unterschiedlichen Theorien. Diese Erklärungen werden dann mit Fotos von Material, Links zu Originalzitaten, Kartenausschnitte, Artikel zu Teilaspekten usw. versehen. Theorien, wonach die Schlacht ganz woanders stattfand (Detmold, Halberstadt, Hildesheim, usw.) bzw. wonach der Kalkrieser Berg der Ort des ersten Überfalls des Kampgeschehens darstellt, liegen außerhalb des Konsensrahmens und werden lediglich am Ende kurz beschrieben.

Im Winter konnten die Römer ihre große Armee fern vom Rhein nicht versorgen, sie zogen daher alljährlich, bereits im September[1] , an den großen Strom zurück - schon um die gefürchteten germanischen Herbststürme an der See zu entgehen. Wohl Mitte September [2] meldete der vertraute Arminius dem Varus einen Aufstand in der Norddeutschen Tiefebene - den Stamm [3] nennt kein bekannter Chronist - und überredete ihn, die gesamte Armee umzuleiten, um diese Erhebung niederzuschlagen. Beschlossen und verkündet: Die Legionen XVII, XVIII und XIX -versammelten sich, vermutlich bei Varus' Quartier [Link zu oben] im Weserbergland. Dort feierten sie mit der Stammesführung der als besondere Freunde gesehenen Cherusker den Abschied.

Beim Fest verrät der Adlige Segest [1] den Römern die Verschwörung des Arminius, aber man glaubt es ihm nicht, schließlich ist der, den er anklagt, römischer Ritter und hoch angesehen. Man weiß, die beiden Sippen sind verfeindet, wobei allerdings die Familie des Arminius seit Jahren als romfreundlich gilt. Außerdem hat der junge Mann vielleicht bereits Segests Tochter Thusnelda "geraubt" - mit ihrer, doch ohne ihres Vaters, Zustimmung -, worüber die Römer dann wohl schmunzeln: Was erzählt der Alte jetzt alles, um sich zu rächen! Diese spannende. mehrfach bezeugte Szene ist oft in Wort und Bild dargestellt worden, doch bleibt unklar: (1) [2] Hat Segest den Arminius in offener Runde, oder bei Varus unter vier Augen angeklagt? und (2) [3] War Arminius bereits mit Thusnelda verheiratet, oder "raubte" er sie erst nach der Schlacht? Die Szene bildet die Grundlage für eine wichtige Phase des späteren Krieges, als Segest zum Parteigänger [4] Roms hervortritt. Ob er es vor der Schlacht schon war, ist allerdings unbekannt. Am nächsten Tag zogen die Römer gen Westen oder Nordwesten, nicht ahnend, dass die kleinen verstreuten Überwinterungsgarnisonen, die sie zurückgelassen hatten, gerade überrannt wurden. Wie groß die Armee [1] war wird sehr unterschiedlich geschätzt, doch 20.000 scheint nicht zu hochgegriffen, außerdem gab es eine große Zahl von Nichtbewaffneten[2] .

Welche Route [1] die Armee nun nahm ist eine Kontroverse. Die Römer übernachteten wohl mindestens einmal friedlich (im Falle eines Abmarsches von der Weser vielleicht sogar mehrmals), dann aber stießen sie in einen schwer begehbaren Bereich, der von Cassius Dio als "dichter Wald [2]" beschrieben wird. Manche Experten meinen allerdings, es hätte auch gar nicht so dicht sein müssen, denn für die Römer sei das wilde Germanien schon so schrecklich gewesen, dass sie auch einen eher lichten Wald als unwegsam beschrieben hätten, gerade angesichts der folgenden Umstände. Nimmt man Dio aber wörtlich, so zogen die Römer an einem Tag, den wir als "1. Kampftag" bezeichnen wollen, nun durch den Wald östlich oder südöstlich von Osnabrück, ansonsten möglicherweise am heutigen Mittellandkanal entlang, nach einer Übernachtung bei Lübbecke. [1] Die riesige Armee hatte Mühe mit den unwegsamen Verhältnissen und dem aufkommenden Regen und dehnte sich immer weiter aus, zum Schluss wird sie sich, unübersichtlich und höchst verwundbar, über geschätzte 15 km ausgestreckt haben. Dann war der Heerzug auf ganzer Länge plötzlich einem Hagel aus Pfeilen und Wurfspießen ausgesetzt. Eine wirksame Verteidigung war unmöglich, als das deutlich wurde, rückten die Germanen näher und machten isolierte Kleingruppen nieder, bei jedem Einzelgefecht waren sie dabei in der deutlichen Überzahl.

Das Heer [1] ist schwer angeschlagen, aber längst noch nicht vernichtet. Viele römische Verbände können sich nach dem Angriff zumindest so gut formieren, dass sie mehr oder weniger unversehrt durchkommen. Alle befolgen den zuletzt erhaltenen Befehl: Vorwärts marschieren. Das erwartet auch die Heerführung, ein Lager wird sofort aufgeschlagen, wo sich die versammeln, die aus dem grünen Inferno entkommen können - sicherlich immer noch die Mehrheit der Armee. Der gesamte große Tross ist verloren - mit Frauen [2]und Kindern, aber auch wichtigem Ausrüstungs- und Versorgungsmaterial, doch selbst die Wagen und das sonstiges Gerät, das von den einzelnen Legionen mitgeführt wurde (also nicht im großen Tross) und jetzt gerettet werden konnte, ist zu viel, um weiter mitzuschleppen. Also wird das meiste verbrannt, einschließlich wohl der schweren Artillerie. Derweil dürfen sich die Soldaten von ihren Kameraden verabschieden, deren Köpfe [3] jenseits des Lagerwalls aufgespießt stehen. Ihre stumme Botschaft: "Morgen du!" Ob die Römer schon jetzt wussten, wie hoffnungslos ihre Lage war, wird kontrovers diskutiert. Viel hängt davon ab, wo und in welchem Zustand dieses - noch nicht gefundene - Lager[4] sich befand.

Die Römer müssen sich jetzt entscheiden: Nach Süden wollen sie eigentlich, aber der direkte Weg führt - egal welche Anmarschroute sie genommen haben - durch einen dichten Wald. Richtung Nordwesten [1] liegt zwar offenes Gelände, so entfernt man sich aber noch weiter von den Stützpunkten an der Lippe. Stehenbleiben und auf Hilfe warten wäre auch eine Option - doch soll die eine verbliebene Legion am Niederrhein (wenn überhaupt eine da ist, vielleicht sind sogar beide in Mainz!) 3 hilflos eingeschlossene retten? Eine Schande für den Feldherrn!

Am Morgen [1] des nächsten Tages stießen die Römer also weiter Richtung Nordwesten, kämpften sich unter schweren Verlusten aus dem Waldgebiet frei und marschierten jetzt kompakt und schnell in offenem Gelände - vielleicht war die Kolonne nur noch einen Kilometer lang. Bald gerieten sie aber wieder in den Wald und erlitten nochmals schwere Verluste. Falls es sich um den "2. Tag" von 4 handelt, bauten sie jetzt das von Dio beschriebene Lager und zogen erst am nächsten Tag ins offene Gelände der Norddeutschen Tiefebene, über ihre etwaigen Kämpfe an diesem Tag wird allerdings nichts weiter berichtet. Andernfalls war dieser bereits der 3. Tag von 4; so oder so: Am Abend des 3. Tages befanden sie sich im Bereich des heutigen Dorfes Venne und taten bei Dämmerung wohl so, als würden sie ein Lager bauen, bei Einbruch der Dunkelheit [2] nahmen sie aber das eingesammelte Laub und Stroh und packten es in ihren Panzer und ihr sonstiges Gerät, damit sie keinen Lärm machten. So gerüstet zogen sie dann hinaus und hofften, ihren Feind lautlos zu entkommen. Es war ein hilfloser Verzweiflungsversuch, denn sie zogen jetzt genau dorthin, wo Arminius sie haben wollte.

Bis jetzt hatten die Germanen die Römer nur aus dem Hinterhalt seitlich angegriffen, die größten Verluste hatten die Römer aber wohl dann zu beklagen, wenn sie in den Wald [1] hinein angreifen mussten. Wie viele Germanen kämpften waren ist schwer zu schätzen, doch 1-2000 gut ausgebildete und ausgerüstete Hilfstruppen, die Arminius befehligt und mit in den Aufstand gebracht hatte, werden eher die Minderheit der germanischen Streitmacht [2] ausgemacht haben, insgesamt werden es sicherlich mindestens 10.000 Mann gewesen sein. Doch viele dieser waren nur mit Speeren, manche sogar ohne Eisenspitze, bewaffnet[3] , was sich aber bald ändern sollte. Dio berichtet, dass der Erfolg gegen Ende der Schlacht weitere Kämpfer angelockt habe. Allzu viele Spätzugänge [4] sind aber eher unwahrscheinlich. Über die Führungsebene der Germanen sind wir kaum informiert, außer dass ihre Streitmacht mit Sicherheit aus "Gefolgschaften" bestand, die sich hinter einem bewährten Adligen sammelten. Mit seiner riesigen "Gefolgschaft" aus gemeuterten Hilfstruppen wird Arminius eine besonders starke Rolle gespielt haben, außerdem ist er wohl als Kriegsherzog aufs Schild gehoben worden, ein König, der nach Belieben befehligen konnte, war er aber nicht. Nur einen weiteren Anführer kennen wir aus dieser Zeit, einen gewissen "Siegmar"[5], der im Bericht des ?? sogar "gleichberechtigt" mit Arminius genannt wird.

Der römische Nachtmarsch, der nun erfolgte, war - weit davon entfernt, von den Germanen verborgen zu bleiben! - sogar Teil des Plans des Arminius. Zwischen Wiehengebirge bzw. Kalkrieser Berg und den Sumpfen und Moore der Norddeutschen Tiefebene verläuft der so genannte "Hangsandrücken" mit einem verhältnismäßig lichten, trockenen Streifen von etwa 100 m Breite. Am Berg selbst rückt der Wald bis an den Rand des trockenen Streifens heran. Hier hat Arminius einen 500-m-langen Erdwall [1] in Ost-West-Richtung errichten lassen, der den Germanen beim seitlichen Angriff [3] auf ein vorbeimarschierendes römisches Heer Schutz geboten hätte. Doch neuere Grabungen [3] zeigen eine zusätzliche Dimension: mit eher nördlich verlaufenden Gräben an den Enden, die zum Einen den Weg nach Westen abschnitten und zum Anderen, am Ostende, die Römer daran hindern sollten, um das Wallende herum anzugreifen. Hier, im tiefer gelegenen östlichen Bereich, gab es einen Auenwald, mehrere Bäche flossen hier nach Norden. Im höher gelegenen westlichen Bereich war es trockener, hier haben die Germanen Gräben [4] hinter dem Wall ausgehoben, um das Wasser vom Berg zu bändigen. Zudem war der Wall nicht gerade, sondern 2 Mal geschwungen: Griffen die ihn Römer im hinteren Bereich des Schwungs an, so wären sie Gefahr gelaufen, von drei Seiten unter Beschuss genommen zu werden. Eigentlich gab es nur einen guten Angriffspunkt, am vorderen Bereich des Schwungs, der auf der lichten Höhe lag.

Die Römer tappten am Morgen nach dem Nachtmarsch also erneut in eine Falle und waren außerdem erschöpft, viele verwundet, Kälte und Hunger nagten an ihre Kräfte und ihren Mut, nur Durst nicht, denn es regnet ständig in Strömen, wodurch sie nicht nur froren; auch ihre empfindlichen Waffenteile [1] - Bogensehnen, Schleuder, die Torsionsseile der Artillerie (falls man überhaupt noch welche hat) - waren inzwischen völlig unbrauchbar. Auch - horibile dictu! - ihre aus Sperrholz und Leder gefertigten Schilde: Normalerweise würden sie diesen läppischen Erdwall mit ihrer bekannten "Schildkrötentaktik" problemlos überrennen - dabei formte eine Truppe die Schilde über ihren Köpfen zu eine Fläche, auf der die Kameraden dann den Wall erstürmen konnten. Dazu brauchte man aber Schilde[2] , die die Last tragen können. Kaum einer hatte noch eins.

Zunächst versuchten sie, den Wall am östlichen Ende zu umrunden[1] . Sie stürmten den Graben, kamen aber nicht weit und wurden zurückgeworfen. Möglicherweise ist hier der Boden [2] auch von den Germanen gezielt mit zugeführtem Wasser noch matschiger gemacht worden, als er ohnehin schon gewesen wäre, sie kamen daher auch an diesem Wallabschnitt nicht weiter.

Die Römer griffen jetzt den Wall im westlichen Bereich an, am westlichen Vorsprung[1] , wo er am stärksten war und wo der Angriff auch noch bergaufwärts erfolgen musste, wenn auch nicht besonders steil. Da die Schildkrötentaktik nicht funktionieren kann, schieben sie die die wenigen Wagen, die sie noch mitführen, als Angriffsbühne an den Wall, der, als er letztlich einstürzt, 2 Maultiere [2] verschüttet, einen sogar jenseits der Wallkrone. Weiter als dieses Tier kommt aber wohl sonst kaum ein Römer - zumindest hinterlassen sie hier keine Spuren -, denn sie greifen ohne Schilde eine gut verteidigte Befestigung an, während ihre Pioniere [3] verzweifelt versuchen, die Soden mit ihren Spitzhaken weg zu hauen.. Der Wall wird schwer angeschlagen und stürzt auch ein - und bedeckt dabei zahlreiche Stücke, die jetzt im Museum liegen -, doch er hält lang genug, dass kein Durchbruch erfolgt.

Zumindest hier nicht, auch weiter westlich, wo die Straße [1] führte, war wohl keiner durchgekommen, nur etwas weiter nördlich, da, wo die Befestigung in den Sumpf überging, konnten Römer aus dem Kessel entfliehen - nur Einzelne, die dann niedergemacht werden oder, in wenigen Fällen entkommen, wie viele Experten meinen. Eine andere Möglichkeit: Die immer noch intakte, wenn auch schwerst angeschlagene Rest des Heerzuges [2] konnte sich durchschlagen und wurde erst weiter westlich endgültig aufgerieben. Dass die Armee sich hinter Kalkriese teilte und in 2 Richtungen weitermarschierte gilt inzwischen als eine überholte Theorie[3].

Ob am Kalkrieser Berg oder weiter westlich: zum Schluss waren die Römer umzingelt und, abgesehen von wenigen Glücklichen, von der Flucht abgeschnitten. Die meisten, auch Varus selbst, waren schon verwundet, ein unbekannter Legat [1] wohl schon tot, der einzige verbliebene, Numonius [2] Vala, setzte sich an die Spitze der Reiterei und macht sich mit dem Schatz des Heeres aus dem Staub, wahrscheinlich über einen parallel verlaufenden trockenen Streifen (den sog. "Flugsandrücken", heute die Alte Heerstraße). Er kommt aber nicht weit, die Reiter werden eingeholt und niedergemacht. Nun begehen Varus und andere Offiziere und auch Mannschaften, Selbstmord. Mit dem Tod der Legaten scheinen die Lagerkommandanten [3] die Befehlsgewalt übernommen zu haben, einer, namens Eggius, ist gefallen, ein zweiter, ein gewisser Ceionus, bewirkte jetzt die Kapitulation des sich auflösenden Heeres, er wurde hingerichtet.

Eine kleine Handvoll [1] erreichte vielleicht den Rhein und konnte von der Katastrophe erzählen. Von den hohen römischen Beamten, die sich bei den nun befreiten Untertanen besonders verhasst gemacht hatten, erfuhren einige phantasiereiche Hinrichtungen[2] , mit anschließendem Annageln des Kopfes an einen Baumstamm; andere Einige Offiziere wurden aber irgendwann von ihren Familie freigekauft[2]. Die Gefangenen Soldaten wanderten wohl in die Sklaverei[3]; einige wurden 30 Jahre später in Hessen befreit, andere endeten vielleicht in den Bleibergwerken [4] des Sauerlandes, die von den Germanen weiterbetrieben wurden.

Der Kopf [1] des Varus schmückte keinen Baum: Er wurde eingepackt und als Geschenk an den mächtigsten aller Germanen geschickt, an Marbod, den König der Markomannen, die in Böhmen hausen. Es ist eine Aufforderung, ein gesamtgermanisches Bündnis gegen Rom zu bilden, doch Marbod kneift und schickt das Stück lieber dem Augustus zur Bestattung. Wie der Kopf aussah, wissen wir von Münzen. Eins können wir mit Sicherheit sagen: Varus trug nie die berühmte Helmmaske, das wichtigste Fundstück in Kalkriese. Die Maske [2] gibt aber ein anderes Rätsel auf: Sie wurde im gleichen Wallabschnitt gefunden, der auch so viele andere wichtige Funde hergab, dort wurde sie aber nicht während des Kampfes abgeschlagen und nachher übersehen, sondern von den Germanen gefunden und wieder weggeschmissen. Warum, weiß man nicht.

Die Germanen haben sich wohl nicht, wie Scheffel in seinem bekannten Lied meint[1] nun zurückgelehnt und gemütlich gefrühstückt. Nicht nur wurde das Feld gründlich lehrgeräumt, um die nutzbare Beute [2] zu bergen (und dem Museum der Zukunft möglichst wenig zu überlassen), vor allem machte sich die siegreiche Armee nun auf, um die feindlichen Stützpunkte rechts des Rheins zu vertilgen. Ein immer wieder aufzufindende Brandschicht bildete ein archäologisches "Horizont" in den Ausgrabungen[3] , ob dort eine Besatzung überrascht wurde oder die Germanen eine in Panik verlassene Siedlung in Brand gesteckt haben, ist nicht immer klar. Auch die neue Stadt "Augusta Taunensis" [4] (Waldgirmes, zwischen Gießen und Wetzlar) verschwindet - selbst die neusten Funde zeigen nicht eindeutig, ob sie eingenommen oder verlassen wurde. Nur eine Stellung wird gehalten - Aliso[5] , möglicherweise das heutige Haltern an der Lippe. Hier werden die Germanen zurückgeworfen, letztlich droht aber den Belagerten ein Hungerwinter und sie wagen den Ausbruch und gelangen zum Rhein. Nun ist bis zum Rhein - außer an der Nordseeküste [6] - nichts mehr in römischer Hand.

Der alte Kaiser [1] ist inzwischen in tiefste Depression versunken, er wird sich auch nie richtig erholen. Sein Stiefsohn und Nachfolger Tiberius [2] übernimmt die Vorbereitung für den Gegenschlag.

Auch die Germanen rüsten sich unter Arminius' Führung für einen langen Krieg, schon im nächsten Dorf entstand eine Schmiede[1] , wo das viele eingesammelte Eisen weiterverarbeitet wird. Jeder, der aus dieser Schmiede eine Waffe bekommt, erhält ihn von Arminius[2] , der nun eine Gefolgschaft befehligt, so riesig und mächtig wie noch kein germanischer Fürst zuvor. In Germanien gab es nun zwei große Gestalten: Arminius führt eine Koalition freier Stämme gegen Rom; Marbod, König eines großen Reiches, blieb neutral.